Überlebenstipps für dunkle Stunden

cropped-cropped-p1310072.jpgDir geht es gerade richtig scheiße? Kein Ausdruck dafür?

Am schlimmsten sind die Zeiten, in denen man sich richtig allein in sich selber fühlt und nicht weiß, was man mit sich anfangen soll. Erinnerungen, sogenannte Flashbacks, kommen immer wieder hoch und du kauerst in deinem Zimmer und weinst. Du verstehst nicht, warum dir so etwas passieren musste und denkst darüber nach, warum du auf dieser Welt bist.

Ja…ich kenne das auch. Weil ich damals auch nie richtig wusste, was ich mit mir anfangen sollte, habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, die mir damals sehr geholfen haben.

Ich spreche mich hiermit ausdrücklich gegen Selbstverletzung aus! Glaub mir, du musst dir nicht wehtun! Denk daran: Der Täter hat es nicht verdient, dass du dir wegen ihm so etwas antust! Du hast ein Recht darauf, dass die Verletzung aufhört.


Allgemeine Tipps, die ich nicht missen möchte:

Leg dir ein Tagebuch an. Ja, ich weiß, das klingt albern in den Augen der meisten aber ich habe zumindest an den Tagen, an denen es mir richtig schlecht ging, immer in mein Tagebuch geschrieben. Da irgendwie fast jeder Tag am Anfang so schwer war, habe ich fast über ein Vierteljahr täglich dort hinein geschrieben. Mittlerweile habe ich das ziemlich eingeschränkt und bin auf ein Ankreuztagebuch umgestiegen und schreibe nur in Ausnahmesituationen in mein „richtiges“ Tagebuch. Ich habe das hier auf Amazon gefunden: Tagebuch für Gute und Schlechte Tage

Am Anfang habe ich versucht, nur das Positive des Tages hineinzuschreiben. Das hat nur leider nicht wirklich lange funktioniert, ist aber keine schlechte Idee. Versuche in deinem Tagebucheinträgen immer mindestens eine Positive Sache des Tages zu finden. Die Welt ist nicht immer unbedingt scheiße. Vielleicht hat dich heute jemand nett angelächelt oder du hast eine schöne Blume gesehen?

Eine weitere Idee habe ich im Internet gefunden: eine Notfallbox. Nimm eine kleine Schachtel und füll sie mit Dingen, die dich glücklich machen oder dich an schöne Zeiten erinnern. Das können Sprüche, Gedichte, Fotos, Figuren, Steine usw. sein. Ich habe mir zudem noch kleine Zettelchen gebastelt, auf denen Dinge stehen, die ich machen kann. Sie sind als Aufforderungen formuliert, also:

„Mal was!“, „Schreib auf, wie es dir geht!“, „Geh spazieren!“, „Mach zehn Kniebeuge!“ usw.

Außerdem habe ich Zettel mit Übungen aus meiner Traumaberatung dort drinnen. Besondern gut hilft mir ein kleiner Zettel mit Dingen, die mich zum Lachen bringen. Es stehen ganz viele Stichpunkte darauf, die mich an schöne Ereignisse erinnern. Ich kann dieses Zettel nicht in der Hand halten, ohne zu lachen.

Weil man eine Box nicht immer dabei haben kann, man manchmal aber auch unterwegs in eine Misslage kommt, habe ich auch ein Notfallbüchlein, in dem ebenfalls Aufforderungen und Übungen für unterwegs zu finden sind. Außerdem finden sich hier kleine Aufmunterungssprüche meiner Freunde.


Im Folgenden findest du jetzt noch etliche spezifischere Tipps und Tricks zum Überleben…

zum Beruhigen:

Deine Gedanken kreisen um das, was dir passiert ist oder du bist aufgebracht? Das hat mir geholfen:

  • Augen schließen und ruhig in den Bauch atmen, gedanklich von 100 abwärts zählen
  • Benenne 5 Dinge, die du siehst, 4 die du hörst, 3 die du fühlst, 2 die riechst und eine Sache, die du schmecken könntest. Lass dir dabei ruhig Zeit.
  • Stell dir eine Fernbedienung vor, mit der du die Ereignisse „ausschalten“ oder zumindest „leiser stellen“ kannst. Das erfordert etwas Übung, kann aber nach einiger Zeit sehr effektiv sein.
  • Mach einen langen Spaziergang. Wenn es sein muss auch im Regen. Ich habe damals immer meine Kamera mitgenommen und schöne Bilder von der Landschaft gemacht und diese anschließend am PC bearbeitet. Das hat mich abgelenkt.
  • Schrei in ein Handtuch.
  • Verprügel ein Kissen.
  • Geh an einen einsamen Ort und schrei dir alles von der Seele.
  • Schreib deine Gedanken auf.

sich selbst spüren:

Du hast das Gefühl eine leblose Puppe ohne Seele zu sein? Um dich wieder zu spüren, kannst du Folgendes machen:

  • Auch wenn es blöd klingt: Mach Sport. fahre Fahrrad oder geh eine Runde Joggen. Power dich einfach richtig aus.
  • Mach dir eine Schüssel Eiswasser zurecht und halte deine Hand hinein. (Bitte nicht zu lange! – Erfrierungsgefahr!)
  • Dusche kalt.
  • Kneif dich kurz.
  • Mach Dehnübungen oder Yoga.
  • Creme dich (am besten vor einem großen Spiegel) mit einer schön duftenden Creme ein.

sich selbst akzeptieren:

Du hasst dich selbst? Du kommst mit dir selbst nicht klar und kannst dich kaum im Spiegel betrachten? Ich habe damit sehr zukämpfen gehabt. Dagegen hab ich Folgendes unternommen:

  • Betrachte dich im Spiegel (wenn möglich Ganzkörper) und such mindestens eine Sache, die dir gefällt. Ja…das kann manchmal dauern aber ich bin mir sicher, dass du was findest. Damals fand ich meine Augen und meine Haare ganz schön.
  • Nimm ein langes Entspannungsbad, gönne dir eine Gesichtsmaske, und creme dich hinterher mit ein. Mach das ganz bewusst langsam und genieße das Gefühl dir etwas Gutes zu tun.
  • Mir haben damals die Bücher von Louise Hay und Robert Betz sehr geholfen. Sie sind sozusagen Spezialisten auf dem Gebiet der Selbstliebe.
  • Schreibe einen Liebesbrief an dich selbst.
  • Schmink dich und mach dich schön. Am besten nimmst du dann noch schöne Fotos auf. Wenn sie dir gefallen, kannst du sie dir in dein Zimmer hängen.

seinen Gefühlen Ausdruck verleihen:

Manchmal ist es echt schwer, zu beschreiben und zu sagen, wie es einem geht und was man auf dem Herzen liegt. Um das loszuwerden, kann man das hier machen:

  • Male etwas. Ich habe so damals meine abstrakte Ader entdeckt. Was du malst, ist egal. Versuch doch einfach mal einen Pinsel mit Farbe in die Hand zu nehmen und deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
  • Schreib ein Gedicht. Pack alle deine Gefühle dort hinein.
  • Schreib einen Brief an den Täter. Beschimpf ihn aufs Übelste oder teil ihm das mit, was du ihm zu sagen hast. Verbrenne oder zerreißt ihn und lass die Fetzen des Briefes mit dem Wind davon tragen.
  • Wenn du ein Instrument spielen kannst, dann kannst du versuchen eine Melodie oder gar einen Song zu komponieren.
  • Hör Musik, die zu deiner Stimmung passt. Ich habe mir für jede Stimmungslage eine Playlist mit meinen Lieblingsliedern erstellt. Wenn du den Text kennst, gröle ihn mit.

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